
Adam and Paul
Estragon: Komm wir gehen.
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Achja.
Lenny Abrahamsons (Regie) und Mark O’Hallorans (Drehbuch) Tragikkömodie „Adam and Paul“ erzählt die berührende, irrsinig komische Geschichte zweier Junkies in Dublin, die zu Beginn des Films außerhalb Dublins auf einem Hügel auf einer Matraze erwachen und fortan das tun, was sie immer tun, ziellos durch die Staat streunen, Menschen treffen, die sich kaum noch an sie erinnern, und dabei auf der Suche nach dem nächsten Schuß oder dem Geld dafür. Estragon und Wladimir aus Samuel Becketts „En antendant Godot“ (Warten auf Godot) bildeten für Adam und Paul genauso die Vorlage wie Stan Laurel und Oliver Hardy aus den Dick und Doof Slapstickts. In Godot beschreibt Beckett den Existenzialismus, der davon ausgeht, dass das Leben aufgrund der Zufälligkeit der Weltkeinen Sinn habe. Adam und Paul, die beiden, sie sind auch irgendwie in die Welt geworfen, ihr Tun und Sein ist allerdings nicht ganz so exestenzialistisch wie das von Wladimir und Estragon, sie sind immernoch angetrieben von einer Hoffnung auf Erlösung von der Sinnlosigkeit. Bis zuletzt.
Abrahamson und O’Hallorans zeichenen ihre beiden Charaktere mit einem starken Gespür für Details und Personen. Der eine, Adam, eher kühl und stoisch, erträgt wortkarg die Welt um sich herum, der andere, Paul, ist vom Heroin schon stark gezeichnet: „Die unfaire Welt um sie herum zeichnet sich in seinem Körper ab, eine verletzte Hand, ein verletztes Bein, mit der Zeit ein Autounfall, bei dem er sich seinen Kopf verletzt.“ (filmkritiken.org) – und schlägt sich mit Naivität (Ein Bulgare mit dem sie reden: I had to leave Sofia/Paul: Oh, was she pregnant) und jammernd (Oh, me fucking hand, me fucking leg, me fucking head) durch die Welt.
Vom Glück, Freunden und Geld verlassen bewegen sich Adam und Paul an diesem einen Tag auf einer Art Miniroadtrip durch Dublin, bekommen durch ein dummes Gerücht Probleme mit der Unterwelt und finde eine kurze Zuflucht auf einer Familienfeier. Als sie schließlich tatsächlich noch an ihren Stoff gelangen, wirken sie sogar für einen Moment glücklich.
Zur visuellen Umsetzung des Films schreibt Filmtagebuch:
Überhaupt geht Adam & Paul mit einigem formalen Gespür zu Werke. Er beobachtet ein Detail der Gesellschaft, das üblicherweise kaum Repräsentanz erfährt. Das große Bild meidet er deshalb, Adam & Paul ist ein Film, der sich oft im schmalen Schärfebereich abspielt und die äußere Welt der beiden Taumelnden ausklammert. Wie sich die beiden oft schon solipsistisch in ihren lakonischen Dialogen austauschen und dabei oft auch einen Autismus im Duett entwickeln, wird dadurch formal unterstützt. Oft verlassen die beiden eine Episode des Films als wäre es ein Tableau, als streiften sie weiter und die Kamera bleibt stehen, beobachtet den Platz, wo sie eben noch waren und nun nicht mehr sind. Als gehörten sie nicht dazu, Elende, die sie sind.
„Adam und Paul“ ist genauso wie das spätere Werk „Garage“ (Rezension hier) von Abrahamson und O’Halloran ein kleiner, kluger und berührender Film, einen den man gesehen haben muss, und das nicht nur einmal. Dialoge, Schauspiel, Erzählung und Fotografie bilden eine dichte Einheit, die zu einer großartigen Atmosphäre beiträgt, die eine Art charmantes Mitleid und Traurigkeit erzeugt, doch niemals absolut hoffnungslos ist.

Warten auf "What's-his-name": Paul und Adam
Auf Wladimir und Estragon gibt es in einer Szene des Films dann auch eine Anspielung als beide an einer Straßenecke stehen und sich mit einem anderen Junkie in einem Schlafsack unterhalten:
Junkie: So, why do stay round here anyways?
Adam: Just hanging around.
J: Why?
A: No why.
J: Has to be a why.
A: Well, I’m not tellin’ fucking you.
Paul: We’re just waitin’ to see „What’s-his-name“ around.
Das Ende schließlich ist dann eine Gegenthese zu den Wartenden in Godot, doch das zu verraten, wäre schon ein Spoiler. Anschauen!
Adam and Paul, Irland (2004), IMDB, Filmtrailer bei Youtube, auf DVD erhältlich (UK-Import)
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2 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Dezember 29, 2008 um 11:04
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Why this web site do not have other languages support?
Dezember 29, 2008 um 12:30
tvundso
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