
Half Nelson
Now I got a problem with the little white drug
see I can’t put down the pipe
And…
It is breaking me down
watchin’ the world spin ‘round
while my dreams fall down
Is anybody out there?
Diese Zeilen aus Justin Timberlakes Song „Loosing my Way“ beschreiben Drogensucht und ihre Auswirkungen auf den Konsumenten kurz, kitschig aber nicht untreffend. Im Medium Film ist sicherlich „Requiem for a Dream“ der optisch brillianteste Film zu diesem Thema, dessen Ende wie die Musik einer tragischen Oper in seiner Bildgewaltheit in den Strudel der Sucht zieht. In „Last Days“, der offensichtlich die letzten Tage eines Kurt Cobain beschreibt, gelingt ein tragischkomisches, aber respektvolles Portrait eines Süchtigen.
Der heutige Filmtipp erzählt eine Geschichte aus dem Alltag, die sich den Folgen des Drogenkonsums nähert. Der Veränderung der Persönlichkeit, den sozialen Folgen, der charakterliche (teilweise) Niedergang. Dan Dunne ist eigentlich ein engagierter Geschichts- und Sportlehrer an einer New Yorker Highschool. Was jedoch keiner ahnt: er ist schwer drogensüchtig. Zu gut gelingt es ihm nach außen, seine Sucht zu verbergen. Das Bild bricht nur ganz allmählich, als Dan immer müder und verwirrter erscheint. Auch als seine (farbige) Schülerin Drey ihn mit einer Crackpfeife auf der Schultoiellete erschwischt, bleibt dies das Geheimnis der beiden. Drey selbst steckt, obgleich sie intelligent und sehr reif ist, im Drogenmillieu, allerdings auf der anderen Seite: als angehende Dealerin.
Half Nelson ist ein langsamer ruhiger Film, der Drogensucht völlig ohne moralischen Zeigefinger problematisiert. Im Mittelpunkt steht freilich das Band der Freundschaft zwischen Dan und Drey. Und als Dan mit der fortschreitenden Verwahrlosung, die überaus authentisch inszeniert wird, daran scheitert Drey aus dem Millieu zu holen, so ist es letztlich vielleicht gerade Drey die Dan die letzte Stütze vor dem Totalabsturz ist. Und während Justin Timberlakes Bob verzweifelt ist: „Can anybody out there hear me /‘cause I can’t seem to hear myself/can anybody out there see me/‘cause I can’t seem to see myself“, so gibt es für Dan noch eine Person, die ihn sehen und hören kann.
Half Nelson, USA 2006, IMDB, auf DVD erhältlich, Film-Trailer bei Youtube










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