Schiefe Wahrnehmung: Bild-Chef Kai Diekmann und Springer-Boss Matthias Döpfner, hier bei einem Event in Hamburg im Juni 2009, machen Stimmung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
In einem großem, aufgeregtem Beitrag schimpft die Bild-Zeitung heute (sogar in ihrem Titelaufmacher) über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. „Zwangsgebühren! Was kriegen wir dafür? Immer mehr Kanäle, die keiner braucht„, schreibt Bild-Autor Paul Ronzheimer. Der Beitrag ist mit einem Flachbildfernseher illustriert, der die Senderlogos von demnach wohl überflüßigen Fernsehsendern wie „einsfestival“, „3Sat“ oder „ZDFneo“ zeigt.
Der Artikel ist Teil einer aufgeregten Kampagne (DWDL.de schreibt: „Kampagnen-Journalismus vom Feinsten“), in der Verlage, wie der von Kai Diekmann (Bild) und Matthias Döpfner (Axel Springer AG) geführte Axel Springer Verlag (siehe Foto), versuchen, ihr unternehmerisch (weniger journalistisch) motiviertes vermeintliches Hausrecht im Internet durchzusetzen. Unterstützt von Politikern und so manchen Intellektuellen. In Vergessenheit gerät dabei häufig: Die Benachteiligten im „Wettbewerb“ sind in Wirklichkeit die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die Nutzer. Doch der Umdeutungsprozess ist längst im Gange.
Im Text behauptet die Bild-Zeitung:
„Mit Gratisangeboten für Smartphones, Internet-Seiten und zahllosen Sparten- und Sonderkanälen gehen ARD und ZDF immer weiter über ihren gesetzlichen Auftrag der ‘Grundversorgung’ hinaus…„
Was die Internetseiten betrifft, und das scheint die Bild wohl nicht zu wissen, gibt es gar keinen Grundversorgungsauftrag. Was schlecht ist (also das Nichtwissen), denn das wäre doch gerade ein Argument für Bild und die Mannschaft vom Springer-Verlag, die Aktivitäten von ARD und ZDF im Netz besonders kritisch zu sehen. So wie es dasteht, ist es ja eigentlich richtig: Was ARD und ZDF im Netz machen, soll über die Grundversorgung hinaus gehen. Vielleicht wollte man aber auch die Bild-Leser, die hier aufgehetzt informiert werden sollen, nicht überfordern. Tatsächlich nämlich sollen die öffentlich-rechtlichen Angebote im Internet einen „Mehrwert“ besitzen.
Die Beschränkung auf den sogenannten „Mehrwert“ ist aus Sicht des Gebührenzahlers allerdings ein Problem. Volker Lilienthal hat sich in einem Text für „Aus Politik und Zeitgeschichte“ mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag beschäftigt, der eine öffentlich-rechtliche Online-Presse ausschließt, und jene Punkte herausgestellt, die problematisch für die Öffentlich-Rechtlichen und ihre Nutzer sind:
- Sendungsbezogenheit der Angebote:
„In der Aktualität aber ist es schlicht unmöglich, sich an die vorherige Existenz einer Sendung zu halten (…) Würde der 12. RÄStV derart eng ausgelegt, gerieten ARD, ZDF und das Deutschlandradio wettbewerblich ins Hintertreffen.„
- Zeitlich begrenzte Speicherung von Angeboten im Netz:
„Die Zeitgrenzen wurden vom Gesetzgeber mit Rücksicht auf das private Fernsehen eingeführt. Rundfunkpolitik, deren eigentliche Aufgabe es doch ist, eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten, mutiert hier partiell zu einer reinen Wettbewerbspolitik, die Schutzräume für die privatwirtschaftlichen Wettbewerber im dualen Rundfunksystem zu errichten versucht. Zeitgrenzen sind – wiederum aus Nutzersicht gesehen – kontraproduktiv, weil der Gebührenzahler und Staatsbürger das Recht haben sollte, sich zeitunabhängig aus verfügbaren Quellen genau dann zu informieren, wenn ein plötzliches Interesse ihn treibt, oder der Tagesablauf es erlaubt.„
Kurzum: Aus Sicht von Journalistik-Professor Volker Lilienthal ist der Wettbewerb eher zu Lasten der öffentlich-rechtlichen Medienveranstalter und nicht zu Lasten der privaten Medienbetriebe verzerrt. Dass es einen solchen Wettbewerb geben soll, stellt jedoch Lilienthal nicht in Frage. Hauptunterscheidungsmerkmal ist für ihn: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten nicht anbieten, was die Privaten besser und billiger können.
Derzeit stellen sich viele Medienbeobachter und Medienkritiker und auch manche Verleger(söhne) die Frage, wie man in Zukunft Qualitätsjournalismus finanzieren will. Denn die Europäische Union will – und das schlägt sich ja auch neben dem ohnehin in die gleiche Richtung gehenden Interessen der Verleger im Rundfunkstaatsvertrag nieder – das zunächst einmal private, freie Kräfte in unserer Gesellschaft dafür sorgen, dass bestimmte, für die Menschen wichtige Aufgaben gesichert werden, bevor der Staat da einen Einfluß darauf haben sollte: Energieversorgung, Telekommunikation oder eben auch Journalismus.
Aus diesem Grund haben die Verlage, wie also auch der Springer-Verlag, zu dem die Bild-Zeitung gehört, die Aufgabe, auszuprobieren, wie man einen solchen Journalismus (im Internet) finanzieren kann. Das könnte man etwa historisch begründen oder mit dem Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“). Da die Werbeeinnahmen aber nicht auchreichen, denken die Verlage darüber nach, direkt von den Lesern Geld im Internet zu verlangen. Zum Beispiel für ein Programm, mit dem man speziell dafür aufbereitete Inhalte von Bild und Welt auf dem iPhone lesen und anschauen kann. Das Bild also mobil macht, hat damit zu tun, dass Bild mobil macht.
Als Reaktion auf diese Programme des Axel Springer Verlags hat die ARD nun angekündigt eine entsprechende iPhone-Applikation für die Tagesschau ins Netz stellen zu wollen (sog. Tagesschau App). Diese Pläne stießen verständlicherweise bei Springer auf Kritik. Genaugenommen, und das macht die Sache so absurd, widerspricht die Tagesschau-Applikation meiner Ansicht nach nicht der Mehrwertdefinition, ist aber natürlich eine deutliche Provokation. Nicht nur an den Axel Springer Verlag gerichtet, könnte man meinen. Wir erinnern uns: Der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag basiert auf dem Entgegenkommen der damals regierenden Politiker (SPD, CDU) gegenüber den Wünschen profitorientierter Akteure (Verlage) und den Vorgaben der EU.
Selbstverständlich wäre auch ein spendenfinanziertes Journalismus-System, eine funktionierende Blogosphäre und/oder Bürgerjournalismus auch im Sinne der von der EU gewünschten Subsidiarität. Hier wäre es auch die Aufgabe des Staates, eine „eine positive Kommunikationsordnung zum Wohle aller zu gestalten“, wie es Lilienthal geschrieben hatte. Zum Beispiel in dem man Rechtssicherheit für Blogger schafft, so dass diese nicht so leicht abgemahnt werden können. Tatsächlich aber wenden sich deutsche Lobby-Politiker wieder einmal gegen eine Kommunikationsordnung zum Wohle aller, sondern unterstützen die Verlage dabei, ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weiter auszubauen. Mit dem irren Argument, die Verlagen selber seien das Opfer eines (zugunsten der ÖR) verzerrten Wettbewerbs.
Der CDU-Mann Wolfgang Börnsen sagte in der Bild (via Netzpolitik):
„ARD und ZDF gefährden die Medienvielfalt, weil sie dabei sind, ein marktbeherrschendes Kartell zu werden„
Auch im aktuellen Bild-Beitrag wiederholt Jürgen Doetz, Vorsitzender des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) diese Mär:
„Die Politik muss endlich klare Grenzen setzen. Diese Wettbewerbsverzerrung macht private Anbieter kaputt.“
Und einen bereitwilligen FDPler hat die Bild auch gefunden:
„FDP-Medienexperte Burkhard Müller-Sönksen: „Wir brauchen nicht nur eine neue Gebührenregelung, sondern auch eine klare Definition für die Grenzen des öffentlichen Rundfunks.”“
Auch das angebliche „Qualitätsmedium“ des Springer-Konzerns, „Die Welt“, hatte einen passenden Für- bzw. Gegensprecher gefunden, nämlich den CDU-Politiker und Kulturstaatsminister Bernd Neumann:
„Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lehnt Pläne der ARD ab, die ‘Tagesschau’ kostenlos auf Smartphones, wie das [sic!] iPhone, anzubieten.„
Diese Formulierung ist besonders absurd, da die Tagesschau ja ohnehin kostenlos im Netz, so auch auf Smartphones abrufbar ist, App hin oder her.
Der eigentliche Konflikt ist also nicht ein Programm für ein Smartphone, sondern der Versuch die Deutungshoheit darüber zu bekommen, wer im Journalismus der Zukunft welche Aufgaben haben sollen. Denn eines muss klar sein: kommt es zu einer Medienkonvergenz im Internet, verschwinden damit bisherige Einzelmedien in einem neuen Medium. Und das wäre dann wohl nicht mehr öffentlich-rechtlich.
Manche Intellektuelle, wie etwa Robin Meyer-Lucht von Carta.info, scheinen sich längst auf die Seite der Verlage geschlagen zu haben: viele Beiträge, die klüger geschrieben sind als Bild-Artikel, aber ins selbe Horn stoßen machten zuletzt auf dem Portal mobil gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, und deren Versuch ihrem Wettbewerbsnachteil zu entgehen: hier, hier und hier etwa (in einem Kommentar hier auf tvundso.com wehrt sich Robin Meyer-Lucht gegen den Vorwurf der Einseitigkeit). Auch Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel hat schon vor Monaten das intellektuelle Fundament für die jetzige Debatte um den Paid-Content im Verlags-Journalismus bereitet.
Es hat sich also eine unheimliche Allianz gebildet aus Verlegern, Politikern und Intellektuellen. Jeder Konsument von Journalismus muss sich entscheiden, ob ein Journalismus der als große Hauptsäule profitorientierte Verlage wie den Axel Springer Verlag hat, derjenige ist, der ihm den besten Dienst bei Meinungsbildung, Kritik- und Kontrolle im digitalen Zeitalter, also auch im Internet oder auf dem iPhone, leisten kann.
Ich denke, alle potenziellen Produzenten journalistischer Inhalte sollten mindestens gleichberechtigt sein: ein solides öffentlich-rechtliches Fundament, zusätzlich profitorientierte und nicht-profitorienterte private Akteure.
Und jeder soll das produzieren, was er am besten kann. Und bei manchen soll es eben nicht mehr als ein nackt geschütteltes Bild Girl sein. Man muss seine Grenzen eben kennen.









11 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Dezember 29, 2009 um 08:05
Tweets that mention Bild macht mobil – oder: Warum sich die Bild so sehr über die Öffentlich-Rechtlichen aufregt « TV… und so -- Topsy.com
[...] This post was mentioned on Twitter by Horst Müller and Thomas Televison, Thomas Televison. Thomas Televison said: Meine ausführliche Analyse zur Auseinandersetzung Bild vs ARD, der Rolle von Politikern und Intellektuellen: http://bit.ly/4LKFje [...]
Dezember 29, 2009 um 10:04
Anonymous
[...] [...]
Dezember 29, 2009 um 17:29
keineahnung
noch so jemand der anscheinend eines nicht begriffen, hat die ör müssen sich nicht refinanzieren!!
also vielleicht erst einmal eine vorlesung grundzüge in mikro besuchen bevor man das wort wettbewerb in den mund nimmt.
Dezember 29, 2009 um 17:33
tvundso
Es geht hier auch und vor allem um publizistischen Wettbewerb.
Dezember 29, 2009 um 18:01
Opfer
Bauen Sie ihr Autoradio aus und schmeißen sie es auf den Müll! Werfen Sie den Fernseher aus dem Fenster und schmeißen sie ihr letztes Kofferradio in die Tonne! Und weil Sie das Geld selbst dringend brauchen, teilen Sie ihrem ÖR-Rundfunkhaus mit, das Sie nix mehr bezahlen werden! Was passiert?
Man wird feststellen, das sie noch ein altes Handy haben, mit dem sie mit 9600 Baud ins Internet könnten und daher gebührenpflichtig sind! Wer gar einen Computer für seine Arbeit braucht, ist gleich verloren!
Welcher publizistische Wettbewerb bitte? Welcher Wettbewerb überhaupt???
Nur Idioten-Quoten, um auch im ÖR eine Begründung zu haben, Milliarden für Sportübertragungsrechte und seichte Unterhaltung auszugeben! Wenn es um die Rechtfertigung für solche Kosten geht, sind Quoten plötzlich wichtig. Wenn es aber um Gebühren geht, fragt kein Mensch, ob Sie ÖR überhaupt nutzen.
Wenn es schnelles Internet in jedem Haushalt gibt, ist ÖR überflüssig wie ein Kropf! Aber es ist ein Krebsgeschwür, das immer weiter wachsen wird und steigen wird – jede Wette – der Anteil der Rundfunkgebühr am Einkommen eines jeden Arbeitnehmers und Selbstständigen, keine Sorge!
Staatsferne???? Ein Witz! Der Politik tun die garnix, denn die sorgen ja für den Erhalt dieses Systems.
Dezember 29, 2009 um 18:24
tvundso
Nur weil es Kritikpunkte an den öffentlich-rechtlichen Sendern gibt, sehe ich nicht, warum man sie deshalb grundsätzlich in Frage stellen sollte. Wollen sie sagen, dass jedes System, dass fehlerhaft ist, falsch ist? Dann leben sie aber in einer Utopie, denn ich kenne keinen fehlerfreien Systeme. In Anbetracht der zu erwartenden Fehler eines rein von gewinnorientierten Unternehmen dominierten Journalismussystems, wie es im Internet gewollt ist, werden sie sich ARD und ZDF noch zurück wünschen
Dezember 29, 2009 um 22:39
Opfer
@tvundso — Nur wenn es in Deutschland und anderswo wieder zu einer gut bezahlten Sache wird, zum Beispiel einen öffentlich agierenden Lügner fundiert als Lügner zu entlarven und einen Verschwender (öffentlicher Gelder) als Verschwender, zum Beispiel, kann Journalismus seine Funktion in der Gesellschaft erfüllen. Wenn man sein Geld auch so bekommt (wie ÖR), kann das bis auf ein paar Feigenblattaktionen auch lassen. Bringt ja nur Ärger. Rein gewinnorientierte Unternehmen, die genau diese Marktlücke füllen, sind da etwas sehr wünschenswertes. Das macht Sinn und nicht etwa der Im-Netz-alles-umsonst und Werbefinanziert – Unsinn und erst recht nicht die Zwangssubventionierten von Vorgestern, die ihr wahres Gesicht gezeigt haben, in dem sie mal locker Mobiltelefone und Computer zu Radios und Fernsehern erklärten.
Kritikpunkte? Sehr milde formuliert. Was ist ÖR heute? Erstens: Eine prima Möglichkeit, politische Altlasten mit Posten zu versorgen. Man will die guten Weggefährten ja nicht in Harz 4 schicken, auch wenn sie da gebührenbefreit Fernseh schauen könnten. Ich sage nicht, das das jetzt schon so ist, aber über welchen Hebel bitte wäre es denn zu verhindern?
Zweitens: Ein Super Schaufenster für die tolle Politik der jeweiligen Landesregierung! Auch ganz umsonst. Bezahlen ja Arbeiter, Angestellte und Mittelstand. Drittens: Eine Einrichtung zur Produktion von mehr Unterhaltung als jemals eine Gesellschaft brauchen würde. Als der neue Bundestag konstituiert wurde, liefen wohl drei Seifenopern zugleich im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Der Bundestagspräsident hatte gewagt, dies kritisch anzumerken. Antwort aus dem ÖR: In Phönix hätte es ja eine Life-Übertragung gegeben. Seltsame Logik: Immer wenn wir kritisiert werden, gründen wir noch einen Spartenkanal. Geld haben wir ja genug. Dann sind wieder die anderen Schuld, hätten ja nur umschalten brauchen.
Dabei wäre es genau Aufgabe des ÖR gewesen, zum Ausdruck zu bringen, was gerade wichtig ist in diesem Land. Die blöden Seifenopern können sich die Leute als Datei aus dem Netz saugen (ich hoffe nur gegen Geld, denn ich will für den Müll nicht hintenrum abkassiert werden) und dann anschauen, wenn das Bier kalt genug ist, das sie dazu trinken wollen.
Also noch mal ganz unmißverständlich: Ich wünsche mir ARD und ZDF vom Halse und nie wieder zurück, denn als Journalisten sind sie zahnlose Tiger, als Kostgänger in meiner Geldbörse aber unersättlich! Ich bin bereit, für anspruchsvollen Journalismus, investigativ, auch im Internet Geld zu bezahlen. Das würde auch funktionieren, denn es kann ein geldwerter Vorteil sein, etwas eher erfahren zu haben als andere, detaillierter usw..
Nur kann ich da mit dem Ende der Rezeption der Inhalte auch das Ende der Bezahlung erreichen. Ich kann also Einfluß nehmen.
ÖR mit Handlanger GEZ machen etwas ganz anderes: Sie kassieren erst mal viel Geld ( 8 Milliarden im Jahr!), dann wird damit eingekauft: Schlagersänger, Filme, Sportübertragungsrechte, sogenannte Talkmaster, volkstümliche Musik usw, rein zufällig immer alles extrem teuer wegen der bösen Konkurrenz durch die rein werbefinanzierten Privatsender. Dann wird das Programm gesendet. Und tatsächlich schauen viele Leute zu ( Durchschnittsalter: 61, das am Rande). Dann haben wir eine Quote. Und mit der wird dann gejubelt! Wir sind immer noch Marktführer! (welcher Markt eigentlich?) Wir machen, was die Leute interessiert! Nächste Gebührenrunde! Wir brauchen wieder ein bissl mehr Geld. Ach halt! Diemals machen wir es anders! Wir behalten die Gebühr bei, holen aber über 2 Millionen Fernsehverweigerer ins Boot, in dem wir nun die „volle“ Gebühr von den Computerbesitzern verlangen! Das haut doch viel besser rein. Und genau darauf zielt auch das Tagesschau-App fürs iphone, selbstverständlich „kostenlos“. Es zielt darauf, wieder neue Gebührengründe zu schaffen, ungefragt. Mit Bild und Springer hat das garnichts zu tun. Noch etwas: Die Preise für Lebensmittel im Supermarkt sind schon mal gesunken, obwohl wirklich unverzichtbar, diese Sachen. Bei ARD und ZDF aber sitzen Sie immer in der ersten Reihe. Da sinken die Preise nie.
Politische Information gab es im Internet übringens schon sehr umfassend, als die öffentlich-rechtlichen Sender noch nicht einmal wussten, was die Abkürzung WWW ausgesprochen bedeutet. Da waren andere einfach schneller. Und für die Grundversorgung hätte die schon allemal gereicht. Aber die ÖR-Oberen sahen das anders. Sie mussten dort mitmischen von unserem Geld. Das wiederum diente dann als Begründung für die vermeintliche Gebührenpflicht „neuartiger Rundfunkempfangsgeräte“. Das ist die Logik der Zwei-Füße-Gebühr: In der Fußgängerzone stehen Straßenmusiker, die leben von Spenden. Um aber das Niveau der Straßenmusik zu heben, stellen die öffentlich-rechtlichen Anstalten ausgebildete Musiker in die Fußgängerzone. Da ich nun zwei Füße habe, K Ö N N T E ich ja theoretisch durch diese Zone gehen und auch die Musik dieser ÖR-Musiker hören. Deswegen habe ich ab sofort die Zwei-Füße-Gebühr zu entrichten. Dann kaufen sich alle Leute Segways und fahren damit durch die Fußgängerzonen, auch, um der Gebühr zu entgehen. Das schaut man sich eine Weile an und erklärt dann die Segways zu „neuartigen 2-Füßen“, für die dann wiederum die Gebühr zu entrichten ist. Noch Fragen?
Ganz einfach: Das System ist da, weil es früher schon da war. Aus keinem anderen Grund. Der Milliardenverschlinger ist vollkommen überflüssig. Für die Grundversorgung reichte eine ordentlich betriebene Website. Das viele Geld könnte man zum Beispiel in echte Bildungsprojekte stecken. Wer blöde Unterhaltung haben will, soll für blöde Unterhaltung zahlen! Fernsehen ist eine Droge, die passiv und träge macht! Die Gebührenpflicht behindert die Einführung moderner Technologien im Alltag! Denn wer staatlich sanktioniert abgezockt werden soll, hält sich mit Investitionen zurück. Und wenn wir nichts tun, werden die Gebühren wieder steigen, aber die Einkommen nicht!
Dezember 29, 2009 um 23:03
tvundso
Wenn Du für Deine zahlreichen Behauptungen auch wissenschaftliche und/oder empirische Belege finden kannst und das ganze auch weniger aufgregt verschriftlichen kannst, dann solltest Du auch ein Blog aufmachen
Das wäre ja auch im Sinne einer gesellschaftlichen Selbstregelung vor dem staatlichen Eingriff, also ein gutes Argument gegen die Notwendigkeit von öffentlich-rechtlichem Rundfunk etwa als Plattform für Diskussionen.
Verstehe ich Dich übrigens richtig, dass Dir das Niveau der öffentlich-rechtlichen Unterhaltungs- und Kulturangebote nicht hoch genug ist? Und wenn ja, was genau wäre denn das Niveau, dass Du Dir wünscht? Oder lehnst Du Unterhaltung und Kultur grundsätzlich ab?
Vielleicht kann ich Dir ja mal ein paar öffentlich-rechtliche Podcasts empfehlen, um Dir den Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks näher zu bringen:
Zündfunk Generator: http://tinyurl.com/bdm7u9
Das Philosophische Radio: http://tinyurl.com/ydcbh7d
SR2 Fragen an den Autor: http://www.sr-online.de/sr2/1334/
Dezember 30, 2009 um 06:27
Forderung: Abschaffung der Bild-Zeitung und des Privatfernsehens | DimidoBlog
[...] Bild-Zeitung bzw. Springer und der Privatsenderverband VPRT poltern gegen ARD und ZDF. Springer prangert – mal wieder – durch seine Bild-Zeitung den “Gebührenirrsinn” an, [...]
Januar 1, 2010 um 12:56
Aufgemerkt
Alle regen sich auf…
[...] Die Meinungen zu diesem Thema reichen weit auseinander. Die Verleger sind wütend, weil die App im Endeffekt Gebühren finanziert ist. Nun sollte man meinen, dass die Verleger die Sympatisanten auf ihrer Seite haben. Allerdings scheint dies nicht d…
Januar 15, 2010 um 02:28
Die Promi-Pauker (ZDFneo) « TV… und so
[...] nicht. Denn wenn es nach denen ginge, dürfte es vermutlich nur die Tagesschau geben – allerdings nicht auf dem iPhone. Auf der anderen Seite werden 6 Millionen standhafte DSDS-Zuschauer oder „Mitten im [...]